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In Schleswig-Holstein zu Hause
Zur Sache | 14.09.2009 18:05 Uhr

Widerstand gegen CO2-Lager im Norden

Der Rotor einer Windenergieanlage dreht sich vor dem Wasserdampf, der aus den Kühltuermen des Kohlekraftwerks Jaenschwalde kommt. © ddp
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In Schleswig-Holstein erregt zurzeit ein Thema die Gemüter: Die geplante unterirdische Lagerung von Kohlendioxid. Der Boden sei dafür besonders gut  geeignet, stellte RWE dea festund will nun Kohlendioxid aus dem Ruhrgebiet nach Schleswig-Holstein pumpen und hier unterirdisch endlagern. Die Politiker im Land sind noch uneins. Die Große Koalition in Schleswig-Holstein ist zerstritten über das Thema "Kohlendioxid-Speicherung" - doch bei den Bürgern gibt es für diesen Plan nur strikte Ablehnung, dies wurde in unserer Sendung "Zur Sache" sehr deutlich.

Bürger befürchten Schäden für die Gesundheit und die Umwelt

Kohlekraftwerk © dpa Protestbutton © Schleswig-Holstein Magazin Protestaktion gegen das Kohlekraftwerk in Moorburg © dpa Fotograf: Jens RessingSteinkohle © dpa

Moderator Jens-Peter Beiersdorf diskutierte in der Sendung "Zur Sache" am Sonntag, 14. Juni 2009, mit dem Leiter der Unternehmenskommunikation von RWE Dea, Uwe-Stephan Lagies, und Wolfgang Stapelfeld vom Bauernverband Schleswig-Holstein e.V. Und die Hörerinnen und Hörer der NDR 1 Welle Nord beteiligten sich zahlreich mit Anrufen und E-Mails an dieser Diskussion und brachten ihre Ablehnung und Befürchtungen zum Ausdruck. So auch Frau Renate Meyer aus Ahrensburg. Sie sagte auf der NDR 1 Welle Nord: "Ich bin total dagegen, dass das Kohlendioxid hier nach Schleswig-Holstein gepumpt wird. Wir sind ein armes Land, wir leben vom Tourismus. Unser Ruf wird dadurch - auch wenn nichts passiert - geschädigt." Und Dieter Timm aus Niebüll zweifelte auch an der Glaubwürdigkeit der Wissenschaftler, die das Projekt befürworten und sagte: "Wenn die Dea will, dann werden die Gutachten ergeben, dass Schleswig-Holstein geeignet ist. Wissenschaftler zu mieten, ist doch kein Problem." Es wurde deutlich, dass die Ängste der Menschen riesengroß sind. Die einen fürchten, dass sie krank werden, die anderen sorgen sich um ihre Pflanzen und Tiere.

Pro und Contra einer unterirdischen CO2-Lagerung in Schleswig-Holstein

In Kiel gibt es einen Wissenschaftler, der sich genau mit diesen Sorgen beschäftigt. Professor Andreas Dahmke ist Geologe und untersucht die Risiken, die durch die Einlagerung von Kohlendioxid entstehen können. Er sagte dazu: "Diese Angst ist aus meiner Sicht naturwissenschaftlich und technisch einfach nicht berechtigt. Wir werden dieses Problem technisch handhaben können. Wenn wir es aber nicht machen, dann haben wir ganz andere Probleme. Unser Klimawandel ist vorhanden, wir können ihn nicht aufhalten. Wir können nur noch die Folgen mildern."

Studiogast Wolfgang Stapelfeld vom Kreisbauernverband Südtondern hat sich vor allem darüber verärgert gezeigt, dass kaum Zeit für Diskussionen bleibe. Die Ablehnung in seiner Region liege bei 100 Prozent, sagt er. Er befürchtet, wie viele andere Bauern, dass die Qualität der landwirtschaftlichen Produkte leiden könnte. Gewinner aus einer unterirdischen Kohlendioxid-Lagerung sind laut Stapelfeld nur die Energiekonzerne: "Es geht wie immer mal wieder nur ums Geld, ganz klar. Die Stromerzeuger erwarten eine hohe Rentabilität aus dieser Geschichte. Zunächst einmal wird es eine neue Generation von Kohlekraftwerken geben. Dort weiß man, dass die Stromerzeuger mit einer hundertprozentigen Gewinn-Marge arbeiten. Die Gewinn-Erwartung für alle Stromerzeuger in Deutschland liegt nicht nur für RWE dea bei 20 Milliarden Euro im Plus für die Stromerzeuger!"

Uwe-Stephan Lagies von RWE dea will dagegen von Profitgier nichts wissen. Vielmehr stehe der Klima-Aspekt im Mittelpunkt der Überlegungen. Es sei keine Alternative, Kohlendioxid in die Luft zu pusten. Er sagte, hier werde nichts übers Knie gebrochen. Vielmehr suche der Konzern nach einem Konsens mit den betroffenen Bürgern. Und eines habe ganz hohe Priorität, so Lagies: "Wir werden seriös vorgehen. Ein Speicher ist keine ausgemachte Sache. Es wird die Einlagerung nur geben, wenn ein mehrjähriges Erkundungsprogramm die Gewissheit für eine sichere Speicherung bietet. Also, wenn wir wirklich alles untersucht haben und nachgewiesen haben, dass alle Voraussetzungen gegeben sind, einen Speicher zu beantragen, dann kann und wird der - nur unter der Voraussetzung der Sicherheit, die das Unternehmen dann mit "Ja" beantworten kann - beantragt."

Die Debatte um ein unterirdisches Kohlendioxid-Lager in Schleswig-Holstein wird auch weiter für viel Zündstoff sorgen. So hat die Bürgerinitiative auch für die kommenden Wochen zahlreiche Proteste angekündigt.

Kohlekraftwerk © dpa
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